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In einem Gebiet, das vom heutigen England bis zum Kaspischen Meer reichte, erstreckte sich ein Schelfmeer. In diesem lebte eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Lebewesen - Seesterne, Muscheln, Korallen, Geißelalgen und Planktonorganismen -, die bei ihrem Absterben auf den Meeresboden sanken und mit ihren kalkhaltigen Schalen, und Panzern über die Jahrmillionen hinweg zusammen mit Ablagerungen aus ebenfalls kalkhaltigen Zuflüssen ein bis zu 500 m mächtiges Kreidesediment bildeten. In der folgenden erdgeschichtlichen Periode, dem Tertiär, hatte sich das Meer so weit zurückgezogen, dass das heutige Gebiet der Ostsee Festland wurde. Über 60 Mio. Jahre später im Quartär erhielt die Oberflächengestalt von Rügen ihr jetziges Aussehen. Die heutige Kreideküste hingegen ist kein Werk der Gletscher, sondern von Gewichtsverlagerungen: Während der pleistozänen Vereisungsperioden kam es aufgrund wechselnder Druckverhältnisse zu Bewegungen in der Erdkruste. Die Kreideschichten brachen schollenförmig auf, wurden gleichzeitig emporgehoben und bildeten für die von Norden hervorrückenden Gletscher ein Hindernis, an dem sie mächtige, aus den skandinavischen Gebirgen stammende Granitblöcke zurückließen - die Findlinge an der Nord- und Ostküste Rügens, deren grösster, der Buskam bei Göhren (Halbinsel Möchgut), ein Volumen von 600 Kubikmeter und ein Gewicht von 1626 t besitzt.
Nach dem Rückzug der Gletscher vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren gestalteten mehrfaches Sinken und Steigen des Meeresspiegels den Küstenverlauf um. Und auch seither verändert sich der Umriß Rügens ständig. Natürliche Formungskräfte wie Meeresströmungen, Gezeiten, Brandung, Wind und Sturmfluten "nagen" an manchen Stellen der Küste. Das durch Erosion abgetragene Material wird jedoch zu einem Teil andernorts wieder angelandet, so daß Haken (z. B. der Gellen auf Hiddensee und der Bug im Nordwesten Rügens) und Landzungen entstehen, die zu Nehrungen zusammenwachsen können - das Charakteristikum der für diesen Teil der Ostsee typischen sogenannten Ausgleichsküste. So soll die Schmale Heide, die die beiden Inselteile Jasmund und Wittow miteinander verbindet, erst vor etwa 2000 Jahren entstanden sein.
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